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Hintergründe zum Steven-Spielberg-Film über den
Terror-Anschlag auf die Olympischen Spiele, München 1972

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Die Vergeltung


Drei Tage nach dem Attentat von München bombardiert die israelische Luftwaffe Ausbildungs- und Flüchtlingslager der PLO in Libyen und im Libanon. Es ist der größte israelische Militäreinsatz seit dem 6-Tage-Krieg. Nach offiziellen Angaben der PLO finden 66 Palästinenser den Tod, mehrere Hundert werden verletzt. Aber das ist nur der Anfang einer Vergeltungsaktion, die bis dahin so einmalig ist, wie es der Anschlag von München selbst war.

Zu einem der bestgehüteten Staatsgeheimnisse Israels gehörten Anfang der siebziger Jahre das "Commitee X" und seine Beschlüsse. Seine Mitglieder waren - soweit dies heute bekannt ist - die Premierministerin Golda Meir, ihr Verteidigungsminister Moshe Dayan, Mossad-Chef Zwi Zamir und General Ahron Yariv, den Golda Meir unmittelbar nach dem Anschlag von München zu ihrem Sicherheitsberater in Terrorismusfragen ernannt hatte.

"Commitee X"
Golda MeirMoshe Dayan Ahron YarivZwi Zamir
Golda MeirMoshe DayanAhron YarivZwi Zamir

Weitere Kabinettsmitglieder und hochrangige Militärs mögen ebenfalls dazugehört haben. In den Tagen nach dem 05. September 1972 beschloss das Commitee X die Operation "Wrath of God" (Zorn Gottes): Als Vergeltung für die elf israelischen Opfer sollten elf Palästinenser sterben. Elf Männer, von denen die israelische Regierung entweder definitiv wusste oder doch zumindest vermutete, dass sie entweder in das Attentat von München direkt oder indirekt verwickelt waren, oder dass sie Drahtzieher anderer vorhergegangener Terrorakte gegen Israel waren. Die große Mehrheit der Männer lebte in Westeuropa oder hielt sich dort zumindest vorübergehend auf. Eine gerichtsverwertbare Beweislage vorausgesetzt, hätte Israel also durchaus deren Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung in den jeweiligen Gastländern erreichen können. Aber dies war nicht das Ziel der Operation "Wrath of God". Es ging darum, so erklärte Mossad-Chef Zamir Jahre später in einem Interview, "den Terror in die Reihen der Terroristen zu tragen".

Mit der Leitung der Aktion wurde Mike Harari, ein erfahrener Moassad-Agent beauftragt. Harari stellte mindestens zwei, vermutlich drei oder vier Teams von jeweils fünf bis sechs Agenten für die Erledigung der "operativen" Aufgaben zusammen. Die Teams operierten völlig unabhängig von einander, und - zumindest in der Anfangsphase - hatte keines der Teams von der Existenz der anderen eine Ahnung. Ergänzt und unterstützt wurden die Gruppen je nach Einsatzort durch lokal operierende Mossad-Agenten, die die Einsatzteams mit konspirativen Wohnungen, Fahrzeugen, Geld, Waffen und falschen Papieren versorgten.

Rund vier Wochen nach den Ereignissen von München war das erste Mossad-Team einsatzbereit. Es bezog Quartier in Genf und begann Informationen über seine "Ziele" zu sammeln. Am 16. Oktober 1972, 40 Tage nach dem Desaster von Fürstenfeldbruck, konnte das Commitee X den ersten Namen von der Liste streichen...

Bis zum Frühsommer 1973 hatten die Mossad-Teams bereits mehr als die Hälfte der Liste "abgearbeitet", als es zu einem "Unfall" kam:

Abu DaoudAbu Daoud mach dem
Attentats-Versuch
im Hotel Intercontinental,
Warschau, 1. August 1981

Wenn Ahmed Bouchiki in seinem Leben etwas vermisst, dann ist es vielleicht die Sonne seiner marokkanischen Heimat. Ansonsten geht es ihm gut: Er lebt weitab vom Nahost-Konflikt im friedlich-verträumten norwegischen Lillehammer, mit palestinensichen Terroristen steht er in keiner Verbindung, er hat ein bescheidenes aber hinreichendes Einkommen als Kellner und eine junge schöne Frau, mit der zusammen er sich auf die bevorstehende Geburt seines ersten Kindes freut. Und er hat eine Eigenschaft, von der er selbst gar keine Ahnung hat: Er sieht dem Drahtzieher des Anschlages von München und engem Vertrauten Yasser Arafats, Ali Hassan Salameh, zum Verwechseln ähnlich. Am Abend des 21. Juli 1973 - einem Samstag - trifft er sich - ständig unter der Beobachtung von Mossad-Agenten - mit seiner schwangeren Frau in einer öffentlichen Badeanstalt. Danach geht das Paar ins Kino. Nach der Vorstellung fahren die beiden per Bus nach Hause. Von der Bushaltestelle bis zur Wohnung des Ehepaares sind nur ein einige Schritte, aber Ahmed Bouchiki wird diesen Weg nicht überleben: Neben dem Paar hält ein Mazda, zwei Männer springen heraus und feuern mindestens ein Dutzend Kugeln auf Bouchiki ab. Er ist sofort tot.

Auf der Flucht wechseln die Täter das Fahrzeug. Sie steigen in einen gemieteten Peugeot um, in dem sie mit hoher Geschwindigkeit Lillehammer verlassen. Dabei fallen sie einer Polizeistreife auf, die quasi im gleichen Moment über Funk von der Schießerei Kenntnis bekommt. Als 24 Stunden später zwei Mossad-Agenten den Leihwagen am örtlichen Flugplatz zurückgeben wollen, schlägt die norwegische Polizei zu. Sechs Angehörige des Mossad werden verhaftet, in einer konspirativen Wohnung außerhalb Lillehammers werden operative Unterlagen des Mossads gefunden, die wiederum Aufschluss über weitere konspirative Unterkünfte in Paris geben. Die Attentäter von Lillehammer werden von der norwegischen Justiz zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und fünfeinhalb Jahren verurteilt.

Aber dieser Zwischenfall kann den Mossad nicht stoppen. Es folgen Anschläge in der Schweiz, in Holland, Gibraltar, Beirut, Warschau und Tunis.

Die bltutige Spur der Rache


9. September 1972:
Die israelische Luftwaffe greift mit rund 75 Kampfflugzeugen Ausbildungslager der PLO und palästinensische Flüchtlingslager in Syrien und Libanon an; 66 Tote und mehrere Hundert Verletzte. Bei Luftkämpfen gehen auf syrischer Seite drei, auf israelischer Seite zwei Flugzeuge verloren.

16. Oktober 1972:
Wael Zwaiter, mutmaßlicher Koordinator für PLO-Anschläge in Europa, ein Cousin Yasser Arafats, wird vor seinem Appartement in Rom erschossen.

8. Dezember 1972:
Mohamoud Hamshari, mutmaßlicher Koordinator des Anschlags von München, wird in Paris durch einen in seinem Telefon versteckten Sprengsatz in seiner Wohnung getötet.

24. Januar 1973:
Hussein Abad al-Chir, mutmaßlicher Kontaktmann der PLO zum KGB, wird durch einen Sprengsatz im Hotel Olympic in Nikosia, Zypern, getötet.

6. April 1973:
Dr. Basil Raound al-Kubaisi, Logistiker der PFLP (Popular Front for Liberation of Palestine), wird auf offener Straße in Paris erschossen.

9. April 1973:
Operation "Spring of Youth": Einheiten des Mossad landen zusammen mit regulären Einheiten der israelischen Armee auf Schnellbooten in Beirut. Sie töten etwa 100 PLO-Anhänger in ihren Quartieren, darunter mindestens vier hochrangige Anführer. Auch die Frau eines PLO-Führers, ein israelischer Soldat und ein unbeteiligter Zivilist kommen zu Tode.

12. April 1973:
Ziad Muchassi, mutmaßlicher Nachfolger al-Chirs als PLO-Kontaktmann zum KGB, wird im Hotel Aristides in Athen durch einen Sprengsatz getötet. Auf der Flucht erschießen Mossad-Agenten einen KGB-Angehörigen, der sich ihnen in den Weg stellt.

28. Juni 1973:
Mohammed Boudia, europäischer Verbindungsmann der PLO, wird in Paris durch eine Autobombe getötet.

21. Juli 1973:
In Lillehammer, Norwegen, wird ein marokkanischer Kellner auf offener Straße erschossen, den der Mossad irrtümlich für Ali Hassan Salameh, Planer des Überfalls in München, hielt. Sechs Mossad-Agenten werden von der norwegischen Polizei verhaftet, zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und fünfeinhalb Jahren verurteilt und nach knapp zwei Jahren nach Israel abgeschoben.

12. Januar 1974:
Während eines Treffens von PLO-Führern in einer Kirche in Sargans (Schweiz) kommt es zu einer Schießerei zwischen deren Leibwächtern und Mossad-Agenten. Drei Leibwächter sterben.

Mai 1974:
Im Londoner Hotel Europa wird ein Mossad-Agent von einer unbekannten Attentäterin erschossen. Ihr Motiv und ihre Auftraggeber bleiben unklar.

21. August 1974:
Die Attentäterin von London wird auf einem Boot im Hafen von Hoorn (Niederlande) erschossen.

14. September 1974:
Ein Mossad-Agent wird von einem Unbekannten auf offener Straße in Brüssel erschossen.

11. November 1974:
Ein Leibwächter von Ali Salameh wird vor dessen Haus in Tarife (Gibraltar) erschossen.

22. Januar 1979:
Ali Salameh stirbt in Beirut durch eine Autobombe.

1. August 1981:
Abu Daoud, Vorbereiter des Anschlags von München, wird in einem Café in Warschau durch mehrere Schüsse verletzt.

14. März 1991:
Abu Iyad, Planer des Anschlags von München, wird in Tunis erschossen.
08. 02. 2012 Dies ist nicht die offizielle Seite zum Film "München" der Universal Pictures