 | Hintergründe zum Steven-Spielberg-Film über den Terror-Anschlag auf die Olympischen Spiele, München 1972 |  |
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Das Desaster
Um 22:22 Uhr heben die beiden Hubschrauber mit den Geiseln und Terroristen an Bord im Olympiadorf ab. Wenige Minuten später startet ein dritter Hubschrauber mit dem Krisenstab. Mit an Bord ist auch Zwi Zamir, Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, der im Laufe des frühen Nachmittags in München eingetroffen war. Absprachegemäß fliegen die Piloten der ersten beiden Hubschrauber nicht sonderlich schnell und nehmen nicht den direkten Weg, während die dritte Maschine die Luftwaffenbasis Fürstenfeldbruck mit Höchstgeschwindigkeit ansteuert. Das Kommando über die Einsatzkräfte dort hat der stellvertretende Polizeichef von München, Georg Wolf. Seit vor knapp zwei Stunden klar wurde, dass kein polizeilicher Zugriff auf dem Olympiagelände erfolgen würde, hat er in größter Eile einen neuen Einsatzplan entworfen: Entsprechend den Forderungen der Geiselnehmer hat die Lufthansa eine Boeing 727 auf dem Rollfeld abgestellt. Die Triebwerke laufen, aber die Tanks sind gut wie leer. Wolf hat in der Maschine einen Trupp von 17 Polizeibeamten platziert: Drei im Cockpit, verkleidet als Pilot, Co-Pilot und Funker, der Rest kauert im Heck der Maschine zwischen den Sitzen. Sie sollen die Terroristen nach Betreten des Flugzeugs überwältigen. Zu ihrer Unterstützung hat Wolf fünf Scharfschützen in Bereitschaft. Drei sind auf der Terrasse des Towers in Stellung gegangen, einer hinter einem Feuerwehrwagen und einer hinter einer flachen Mauer am Rande des Rollfelds.
Um 22:32 Uhr landet der Hubschrauber mit dem Krisenstab in Fürstenfeldbruck. Eilig laufen Genscher, Schreiber und die anderen zu Wolfs Kommandostand in den Tower. Jetzt erst erfährt Wolf, dass es seine Leute mit acht Terroristen zu tun haben, und nicht nur fünf, wie Wolf fest geglaubt hatte.
 | Luftwaffenbasis Fürstenfeldbruck am nächsten Tag |
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In der gleichen Minute wird es den Polizisten in der Boeing 727 mulmig. Bei einer genaueren Betrachtung ihrer Lage kommen ihnen Zweifel an der Weisheit des Einsatzplanes: Die Männer im Cockpit befinden sich in der direkten Feuerlinie ihrer Kollegen im Heck, und die wiederum hocken so eng zusammen, dass sie fürchten, die Terroristen könnten sie alle zusammen mit einer einzigen Handgranate ausschalten. Die Männer, die keinerlei Spezialausbildung haben, hatten am Morgen ihren Dienst in der Erwartung angetreten, den Verkehr zu regeln, Strafmandate an Falschparker zu verteilen oder - wenn es heftig käme - Streitigkeiten unter betrunkenen Fans zu schlichten. Nun befinden sie sich im Zentrum eines bis dahin auf europäischen Boden einmaligen Anti-Terror-Einsatzes. Sich selbst vor die Frage stellend, ob es besser wäre, wenn man sie ab morgen Feiglinge schimpfe würde, sie aber am Leben wären, oder man sie Helden nennen würde, sie aber tot wären, entscheiden sie sich für das Leben. In einem in der deutschen Polizeigeschichte einmaligen Vorgang desertieren sie, verlassen das Flugzeug und schlagen sich in die Büsche am Rande des Rollfeldes. Georg Wolf im Tower ist fassungslos.
Gegen 22:35 Uhr landen die beiden Hubschrauber mit den Geiseln und Terroristen, rund 35 Meter vor dem Tower und 100 Meter von der Boeing entfernt. Zusammen mit den Piloten und Co-Piloten steigen vier der Fedayeen aus. Zwei richten ihre Waffen auf die Hubschrauberbesatzungen, die anderen beiden machen sich auf den Weg zur Boeing, um die Maschine zu inspizieren. Als sie das Flugzeug besatzungslos vorfinden, wird ihnen klar, dass Deutschland durchaus nicht gewillt ist, sie mit ihren Geiseln ziehen zu lassen. Laut rufend machen sich beiden im Laufschritt auf den Rückweg zu den Hubschraubern. In diesem Moment - es ist 22:38 Uhr - gibt Wolf seinen Scharfschützen - in jeder Beziehung seinem letzten Aufgebot - den Feuerbefehl. Georg Wolf, der später für diese Entscheidung noch nach Jahren scharf kritisiert werden wird, hat objektiv gar keine andere Wahl. Er muss zu Recht befürchten, dass die Terroristen, sobald ihre Anführer zurück bei den Hubschraubern wären, das Feuer auf die Geiseln eröffnen würden, oder - und vielleicht schlimmer noch - dass sie die Hubschrauberbesatzungen zwingen würden, die Helikopter erneut aufsteigen zu lassen, um dann an einem anderen Ort ein noch größeres Blutbad anzurichten, indem sie etwa versuchen würden, auf dem Zivilflugplatz München-Riem eine Maschine in ihre Gewalt zu bringen.
Aber Wolfs Scharfschützen sind keine Scharfschützen. Es sind gewöhnliche Polizeibeamte, die für diesen Job ausgewählt worden sind, weil sie Mitglieder in einem Sportschützen-Verein oder Hobby-Jäger sind. Sie sind weder mit Nachtsichtgeräten noch mit Sprechfunk ausgestattet, und so können nur die drei Schützen auf der Tower-Terrasse überhaupt Wolfs Einsatzbefehl hören.
Die beiden Fedayeen, die auf dem Vorfeld die Hubschrauberbesatzungen in Schach halten, gehen tödlich getroffen zu Boden, die Piloten und Co-Piloten rennen davon. Die beiden Terroristen auf dem Rückweg vom Flugzeug zu den Hubschraubern schießen mit ihren Maschinenpistolen wild um sich und verletzen einen der Hubschrauberpiloten schwer. Auch im Tower schlagen Kugeln ein. Im Erdgeschoss bricht der Polizeibeamte Anton Fliegerbauer tödlich getroffen zusammen. Den Scharfschützen gelingt es einen weiteren Terroristen auszuschalten, die anderen Täter nehmen Deckung unter den Hubschraubern und beginnen gezielt auf die Flutlichtmasten rund um das Rollfeld zu schießen.
Nach diesem ersten heftigen Feuergefecht ist ein Patt entstanden: Die Scharfschützen haben kein klares Ziel mehr, können aber auch nicht näher an die Terroristen heran. Diese wiederum können nicht aus ihrer Deckung unter den Hubschraubern heraus. Eine Situation, die unvorstellbar lange 90 Minuten anhalten wird. 90 Minuten, in denen die Geiseln gefesselt in den Hubschraubern vergebens um ihr Leben bangen.
 | Gepanzerte Fahrzeuge im Olympischen Dorf |
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Wolfs Männer benötigen offensichtlich dringend Verstärkung, Georg Wolf selbst benötigt erstmal eine funktionierende Kommunikationseinrichtung, denn bei der Schießerei ist die Funkanlage des Towers zerstört worden, und auch die einzige Telefonleitung ist tot. Schließlich gelingt es ihm dann doch, gepanzerte Mannschaftstransporter anzufordern, mit denen er das Rollfeld stürmen lassen will. Sechs Stück davon stehen der bayrischen Polizei zur Verfügung, und alle sechs befinden sich noch im Olympiazentrum. Als sie sich in Bewegung setzen, sind die Straßen in Richtung Fürstenfeldbruck von Schaulustigen verstopft. Im Laufe der folgenden Stunde trifft ein Hubschrauber mit Polizeikräften auf dem Olympischen Dorf in Fürstenfeldbruck ein, die aber in der gegebenen Situation nicht sinnvoll zum Einsatz gebracht werden können. Diverse Einheiten treffen inzwischen auf dem Zivilflugplatz München-Riem ein. Die Einsatzleitung hatte sie "zum Flugplatz" beordert, ohne zu sagen, um welchen Flugplatz es ging.
Gegen Mitternacht schließlich hat Wolf genügend Schützenpanzer und Männer zusammen, um das Rollfeld stürmen zu lassen. Als die Terroristen die heranrollenden gepanzerten Fahrzeuge sehen, kommt es zur Katastrophe: Einer der Fedayeen gibt seine Deckung auf, und es gelingt ihm, bevor er von Polizeikugeln tödlich getroffen wird, eine Handgranate in einen der Helikopter zu schleudern. Vier Israelis sind sofort tot, ihre Körper verbrennen bis zur Unkenntlichkeit - es ist der 6. September 1972, 0:10 Uhr. Im Chaos der nächtlichen Explosion setzt ein minutenlanges heftiges Feuergefecht ein, bei dem es einem der Fedayeen gelingt, mit einer einzigen Maschinengewehrsalve alle in dem anderen Hubschrauber verbliebenen Geiseln zu töten. Mehrere Polizisten werden verletzt, mindestens zwei durch Kugeln ihrer eigenen Kollegen. Einem der Terroristen gelingt die Flucht ins Dunkel der Nacht. Gegen 0:25 Uhr strahlt der Bayerische Rundfunk eine Warnung an alle Auotfahrer in der Gegend aus, keine Anhalter mitzunehmen. Es dauert noch eine weitere Stunde, bis es einer Hundestaffel der Polizei gelingt, den Flüchtigen aufzustöbern. Es folgt ein letztes kurzes Feuergefecht.
Als schließlich um 1:32 Uhr die Waffen endgültig schweigen, ist die Bilanz fürchterlich: Alle neun Geiseln sind tot, ebenso fünf der acht Terroristen, zwei sind schwer verletzt, einer leicht, ein Polizeibeamter ist tot, zwei weitere sind schwer verletzt, mehrere weitere leicht.
|  | Der Tag danach
 Olympia-Fahne auf Halbmast
 Helikopter, Leichen
 Leiche eines Terroristen
 Ausgebrannter Hubschrauber
 Letztes Geleit
 Erinnerungstafel am Gebäude Conollystraße 31 |
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04. 09. 2010
 | Dies ist nicht die offizielle Seite zum Film "München" der Universal Pictures | |  |
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